Spot on: Saskia Ebel

In unserer Serie Spot on: stehen uns Experten zum Thema Digitaler Unterricht Rede und Antwort

Welche Berührungspunkte haben Sie zur digitalen Bildung?
Ich bin an meiner Schule Tabletbeauftragte und organisiere die 1:1-ipad-Klassen, aber konfiguriere auch die Tabletkoffer an unserer Schule. Zusätzlich bin ich PG-Leiterin am Landesinstitut für Schulentwicklung in Stuttgart für das landesweite Tabletprojekt „TabletBS.dual“. Auf verschiedenen Tagungen zu diesem Thema halte ich Workshops zu verschiedenen Themen. Seit letztem Jahr organisieren wir mit Unterstützung des Regierungspräsidiums Karlsruhe eine zweitägige Tagung („WES 4.0 – Lehren und Lernen mit dem Tablet“), um eine vielfältige Auswahl an Fortbildungen in kurzer Zeit anbieten zu können. Alle Informationen zur Tagung und alles was mit Tablets an der WES zu tun hat, finden Sie auf unserer Tablet-Homepage, die ich betreue: wes4punkt0.schule.

Seit wann haben Sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt?
Privat wurde ich mit diesem Thema eigentlich immer konfrontiert, da meine Eltern Informatik studiert haben und immer „digital“ unterwegs waren. Als Kind kommt man dann zwangsläufig damit auch in Berührung.

Während meines Studiums war vieles schon digitalisiert und als ich dann mit meinem Referendariat, 2011, angefangen habe, habe ich meinen Unterricht darauf ausgerichtet. Auch wenn es Themen gibt, die nicht im Lehrplan stehen, sollten sie definitiv im Unterricht behandelt werden (Bsp: „Bezahlung mit dem Smartphone“). Danach habe ich versucht die Schulleitung von Tablets an unserer Schule zu überzeugen. Seitdem dies gelungen ist und sie, aber auch Kollegen, die Fortschritte im Unterrichten und Organisieren sehen, haben wir mittlerweile einen guten Standard. Aber wie bei jeder Schule müssen auch wir Wege der Finanzierung für das alles finden.

 

Was sollten die ersten Schritte sein, wenn der Wandel zum digitalen Unterricht angestrebt wird?
Man sollte eine Vision bzw. Einen Weg haben, wohin man gehen möchte. Und vor allem mit wem. Diesen Weg sollte man nicht alleine bestreiten. Also am besten sucht man sich ein Team (Schulleitung muss involviert sein) und überlegt sich dies.
Parallel dazu muss es auch ein „Technik-Team“ geben, das in engem Kontakt mit dem „Pädagogik-Team“ steht. So können die Anforderungen auch gleichzeitig umgesetzt werden.Und dann sollte man sich fortbilden und kreativ sein.

„Nein, eines ist am wichtigsten. Nicht den Mut, Spaß und den Glauben an die Sache verlieren.“

 

Können Sie uns ein positives Beispiel für die Implementierung liefern?
Wir haben viele Lehrer, die nicht mehr lange im Berufsleben sind und sich trotzdem an die neuen Meiden herangetraut haben und uns immer um Unterstützung zwar bitten, aber auch merken, dass wir immer gerne weiterhelfen. Und sie beherrschen es danach genauso gut.

 

Wie hat sich der Unterricht dadurch verändert?
Ich bespreche viel mit Schülern und wir diskutieren bzw. wägen ab. Es ist nicht die reine Wissensvermittlung, sondern ich begleite sie auf dem Weg dahin, ein Thema wirklich zu verstehen und stelle an geeigneten Stellen Rückfragen oder weiterführende Fragen. Oft sitze ich auch an den Gruppentischen der Schüler mit bei oder bin mit ihnen im Loungebereich und koordiniere mehr, als dass ich Frontalunterricht halte (den muss es aber auch noch geben).
Die Beziehung zu den Schülern ist eine andere geworden. Man verliert nicht den Respekt zu Ihnen, aber ist eher ein Mentor oder Coach, als der „Diktator“, der Ihnen das Wissen vorgibt.

 

Können Sie den LehrerInnen die digitale Lehr- und Lernmittel implementieren wollen, einen Rat mitgeben?
Alles einfach bestmöglich im Team ausprobieren, Netzwerke knüpfen und sich immer wieder umhören. Es verändert sich gerade in diesem Bereich vieles sehr schnell (zum Guten!). Wenn es mal nicht so gelingen sollte oder die Technik „spinnt“, sollten Sie bitte nicht den Mut verlieren bzw. den Spaß an der Sache behalten.

 

Gibt es bestimmte Fragestellungen seitens der Lehrer, die immer wieder auftauchen? FAQs?

  • Welche Apps soll ich benutzen?
  • Welche Apps gibt es für mich?
  • Welche App passt zu diesem Thema?

Vieles geht um Apps. Dazu kann man leider keine genaue Antwort geben, sondern je nach Thema, Lehrer und Schüler (und wahrscheinlich noch vieles mehr) ist eine andere App besser geeignet. Man sollte allerdings aufhören in Apps zu denken, sondern eher nach dem Inhalt schauen, ob man ihn vielleicht durch das Tablet moderner bzw. Zeitgemäßer unterrichten kann. Wenn man dann eine Appauswahl findet, findet man schnell das passende Tool für sich.

 

Man hört immer wieder, dass technische Voraussetzungen eine Hürde seien. Was sind weitere Herausforderungen?
Die Hürde der Lehrer und das bisher noch existierende Lehrerbild bzw. die Lehrerrolle innerhalb und außerhalb der Schule.
Wie kann die Verwendung digitaler Lehr- und Lernmittel noch attraktiver gestaltet werden?
In dem die Schulleitung dahinter steht und die Hardware den Lehrern zur Verfügung stellt. Aber es ist auch wichtig, dass die Räume richtig ausgestattet sind, so dass jeder Lehrer in jedem Raum auch sein digitales Endgerät einsetzen kann, wenn er will.
Die Schulbuchverlage könnten sich an „richtige“ digitale Schulbücher trauen und das für das Berufliche Schulwesen anbieten.

 

Wie ist es um das Thema Konzepte und Methodik bestellt?
Wir haben ein konzeptuelles Konzept, was sich auch auf unserer Tablet-Homepage finden lässt. Das pädagogische Konzept wird stetig weiterverbessert und ist in ein Grobkonzept „iPad-Klasse“ und mehrere Feinkonzepte nach Fächern/Lernfeldern unterteilt.

 

Gibt es Quellen für die Unterrichtsvorbereitung explizit für den digitalen Unterricht, die Sie empfehlen können? Kennen Sie die Wunschliste der LehrerInnen?
Anbei ein paar Quellen, die man für den Einstieg benutzen kann. Man sollte sich allerdings dort nicht festbeißen.

 

Welche Rolle spielt dabei Social Media?
Eine sehr große Rolle. Durch ein großes Netzwerk „Gleichgesinnter“, kann man sich selbst viel Arbeit ersparen und neue Ideen sammeln.
Wie gestaltet sich der Wandel mit den LehrerInnen, deren Ausbildung etwas zurück liegt?
Im Moment ist es eigentlich noch relativ irrelevant wann die Lehrerausbildung stattgefunden hat. Jeder Lehrer sollte sich herantrauen. Erst wenn sich die Lehrerbildung „wirklich spürbar“ an die Digitalisierung angepasst hat, wird es wahrscheinlich einen erheblichen Unterschied machen.

 

Welche Anreize können Sie denen bieten, die noch nicht überzeugt sind?
Funktionierende Hardware, eine positive Fehlerkultur und viele Gespräche und bei Bedarf Hilfestellungen.

Decken Sich die Ansprüche und Bedürfnisse bezüglich des digitalen Unterrichts der Eltern und SchülerInnen mit denen der LehrerInnen?
Nein, nicht zu 100%. Aber das ist ein guter Anlass, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Bei mir ist das eher der Kontakt mit den Betrieben. Aber woher sollte ich mir bessere Informationen für die Berufswelt meiner Schüler holen als aus ihrer Berufswelt. Und das alles kostenlos mit dem Nebeneffekt der besseren Kooperation bezüglich der beruflichen und schulischen Ausbildung.

Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis nennen, wo der digitale Unterricht Potenziale ausschöpft, die der konventionelle nicht besitzt?
In LF 5 im Lehrplan der Kaufleute im Einzelhandel gibt es zum Beispiel den Werbeplan. Früher haben wir theoretisch besprochen wie Werbung aussehen könnte. Mittlerweile können die Schüler selbst eine Werbung schnell erstellen (Digitales Plakat, Radiospot, Fernsehspot,…) und sich Inspiration aus dem Internet holen.
Und solche Beispiele gibt es gerade in der Berufliche Bildung viele, da die Wirtschaft den Schritt der Digitalisierung bereits gegangen ist.

Welche Investitionen sind aus Ihrer Sicht nachhaltig?
Die Ausbildung neuer Lehrkräfte und die Fort- bzw. Weiterbildung der bereits bestehenden Lehrkräfte.
Natürlich ist auch die Ausstattung einer Schule wesentlich; gerade das WLAN bringt viele Hürden. Aber was machen wir mit der besten Ausstattung, wenn keiner sie benutzen kann?!