Mit Begeisterung für die Chemie zu Weltruhm!

Er gilt als Begründer der Organischen Chemie und wir verdanken ihm alltägliche Dinge wie beispielsweise Kunstdünger, Babynahrung und Backpulver.

Justus von Liebig

Geboren am 12. Mai 1803 in Darmstadt als Sohn eines Drogeriewaren- und Farbenhändlers bricht er 1818 das Gymnasium ab und beginnt eine Apothekerlehre, die er ebenfalls nicht beendet. Allerdings ist seine Begeisterung für die Chemie sehr groß und er liest alles, was er in der Hofbibliothek dazu finden kann. Durch Kontakte seines Vaters bekommt er 1819 die Gelegenheit ein Chemie-Studium erst in Bonn und später in Erlangen beim dem Chemiker Karl Wilhelm Gottlob Kastner zu absolvieren. Da er sich aber an Studentenunruhen beteiligt, wird er polizeilich gesucht und muss Erlangen verlassen. Dank Kastners Fürsprache erhält er ein Stipendium an der „Sorbonne“ in Paris vom Großherzog von Hessen und kann sein Studium fortführen. Seine Doktorarbeit beginnt er bereits während seines Studiums im 3. Semester und beendet sie 1822 in Paris.

Im Bereich der Forschung befasst er sich mit den Salzen der Knallsäure und den Eigenschaften von Knallquecksilber, welches ihn in der chemischen Welt bekannt macht. Durch Empfehlung Alexander von Humboldts beim Großherzog von Hessen wird Liebig 1824 Professor an der Landesuniversität Gießen. Während dieser Zeit erfand er den experimentellen Unterricht, routinierte die Bestimmung von Wasserstoff und Kohlenstoff in organischen Verbindungen durch Entwicklung des Fünf-Kugel-Apparates für die quantitative Analyse, entwickelte zusammen mit seinem Freund Friedrich Wöhler die Radikaltheorie*, die besagt, dass viele Verbindungen nur aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff bestehen, weil sich diese Atome zu stabilen Gruppen formieren, und entdeckte mit ihm die Isomerie (aus gleichen Atomen lassen sich verschiedene Stoffe bilden, zum Beispiel HCNO = Knallsäure; HOCN = Cyansäure). Darüber hinaus postulierte er die Mehrwertigkeit und unterschiedliche Wertigkeit von Atomen und befasste sich mit der Agrikultur- sowie der Tierchemie.

1852 wechselt er nach München und widmet sich dort vorwiegend seiner Forschung. Insbesondere Alltagsthemen sind für ihn von Interesse. Zum Beispiel entwickelt er einen Fleischextrakt („Liebigs Fleischextrakt“: https://www.phywe.de/de/liebigs-fleischextrakt-10-g.html), der als Stärkungsmittel diente, erfand die künstliche Düngung, wodurch Erträge um circa ein Drittel gesteigert werden konnten und stellte Säuglingsnahrung als Ersatz für die Muttermilch her. Auch das Backpulver wurde von seinem Schüler Eben Norton Horsford unter seiner Obhut erfunden. Es sollte die Verwendung leicht verderblicher Hefe ersetzen.

Backpulver (https://www.phywe.de/de/backpulver.html#tabs1) ist ein Treibmittel, das eine Mischung aus Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) und einem Säuerungsmittel darstellt. Durch die Feuchtigkeit im Teig und die Hitze beim Backen reagiert das Natron mit der Säure, wodurch Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt wird, das kleine Gasbläschen bildet und den Teig auflockert:

NaHCO3 + H+ → Na+ + CO2 + H2O

Horsford wurde durch das Backpulver in den USA zum Millionär, während Liebig lediglich Lizenzgebühren in Höhe von 300 Mark erhielt. Justus von Liebig starb am 18. April 1873 im Alter von 69 Jahren an einer Lungenentzündung in München.   

Noch ein Backtipp zum Schluss

Einfach mal Milch teilweise oder ganz mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser ersetzen, denn die Kohlensäure (H2CO3) unterstützt den Effekt des Backpulvers, da zusätzlich CO2 gebildet und der Teig somit noch fluffiger wird.

*Unter dem Begriff Radikaltheorie wird zum Beispiel auch die Polymerisation von Kunststoffen verstanden, die über radikalische Zwischenstufen erfolgt. Diese ist hier im Beitrag aber nicht gemeint.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

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