Längeres Fasten kann unangenehme Folgen haben…

Fasten ist keine Hungerkur! Es wird lediglich eine Zeit lang auf feste Nahrung und Genussmittel, zum Beispiel Alkohol und Zigaretten, verzichtet. In flüssiger Form dürfen aber Nährstoffe in geringer Menge beispielsweise in Form von Gemüsebrühe, Honig und/oder Säften zugeführt werden. Der Körper erhält auf diese Weise die Möglichkeit, sich von innen zu reinigen beziehungsweise zu „entgiften“. Viele Menschen fühlen sich während dieser Zeit nicht etwa abgeschlagen und müde – ganz im Gegenteil! Sie sind voller Energie! Allerdings kann es passieren, dass sich nach einigen Tagen ein unangenehmer Mund- und Körpergeruch breit macht, der auf die Veränderungen im Stoffwechsel zurückzuführen ist.

Wie fängt man an?

Zu allererst, Fasten ist nicht für jedermann geeignet, daher sollte vor jeder Fastenkur, insbesondere bei mehr als zehn Tagen, auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht und überprüft werden, ob das Fasten aus gesundheitlichen Gründen überhaupt möglich ist.

Zuerst einmal beginnt die Umstellung auf Flüssignahrung mit einem Entlastungstag, an dem auf Zigaretten, Alkohol und Kaffee sowie auf salziges und Süßigkeiten verzichtet wird. Es ist darauf zu achten, dass 2-3 Liter Mineralwasser und/oder Säfte getrunken werden. Anschließend folgt die Darmentleerung (klassischer Weise mit Glaubersalz), der Blutzuckerspiegel sinkt.

Durch die fehlende oder geringe Energiezufuhr (durch zum Beispiel Säfte) von außen, ist der Körper gezwungen seine Energiereserven anzugreifen. Die Zufuhr gering-kalorienhaltiger Getränke scheint der Körper zu tolerieren ohne den Fastenstoffwechsel zu beeinflussen. Zudem bestehen für die Zufuhr von Nährstoffen während des Fastens noch andere Gründe, die später noch erläutert werden.

Zuerst sind die Kohlenhydrate (Zucker) dran…

In Folge des sinkenden Blutzuckerspiegels, sinkt auch der Insulinspiegel. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung der Hormone Glucagon und Adrenalin, die dafür sorgen, dass Glucose aus Glycogen (die Speicherform der Glucose) in der Leber freigesetzt wird (Glycogenolyse). Glucose (Traubenzucker) ist für den Körper die Energiequelle der Wahl, da sie kurzfristig verfügbar ist. Gleichzeitig wird in der Leber neue Glucose gebildet (Gluconeogenese). Da Glucose und Glycogen allerdings nur begrenzt vorhanden sind, versiegt diese Energiequelle bereits schon nach dem ersten Fastentag.

Die Hormone Glucagon und Adrenalin sorgen, neben der Freisetzung von Glucose aus Glycogen, auch für die Freisetzung von Fett aus dem Fettgewebe und erleichtern die Aufnahme von Fettsäuren in die Muskelzellen. Da die Nervenzellen und unser Gehirn auf Glucose angewiesen sind, diese aber nicht aus Fettsäuren gebildet werden kann, werden als nächstes die Proteine (Eiweiße) herangezogen.

Jetzt kommen die Proteine (Eiweiße) ins Spiel…

Um Glucose zu produzieren, greift der Körper jetzt auf die Proteine zurück. Hierzu werden die Proteine in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt (Proteolyse). Aus den Aminosäuren kann die notwendige Glucose mittels der Gluconeogenese synthetisiert verwendet. Somit wird die Versorgung der Nerven und des Gehirns mit Glucose (vorerst) sichergestellt.

Dann geht´s an die Fettreserven…Der Stoffwechsel schaltet um!

Fett ist der Hauptenergiespeicher des Körpers, da es aus ökonomischer Sicht sinnvoller ist Fett anstatt Kohlenhydrate zu speichern, denn pro Gramm Fett lassen sich 9 kcal speichern, während es pro Gramm Kohlenhydrate nur halb so viele sind. Wie oben bereits beschrieben, werden Fettsäuren als alternative zur Glucose von den Muskelzellen genutzt. Überschüssige Fettsäuren jedoch, die nicht benötigt werden, werden in sogenannte Ketonkörper umgewandelt (Ketogenese). Hierbei entstehen die Ketone Aceton, Acetessigsäure und Betahydroxybuttersäure.

Ketone können im Gegensatz zu den Fettsäuren die Blut-Hirnschranke überwinden und bei Glucose-Mangel als Energieträger einspringen. Gehirn und Nervenzellen lernen bereits nach einigen Tagen die Ketone zu nutzen. Zum Vorteil für die Proteine, denn die bleiben jetzt verschont. Hurra!

Ketone bieten als Energielieferanten einige Vorteile, so bleibt zum Beispiel der Blutzuckerspiegel stabil, da er nicht durch Nahrung steigt und sinkt. Zudem werden die Mitochondrien durch die Ketone beeinflusst. Die Mitochondrien sind die sogenannten „Kraftwerke der Zellen“. In ihnen wird aus Glucose und Fett Energie gebildet. Während die Mitochondrien bei der Verbrennung von Glucose allerdings auf Hochtouren laufen, freie Radikale entstehen und so der oxidative Stress im Gehirn gefördert wird, sind diese schädlichen Vorgänge bei Verwendung von Ketonen reduziert. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns wird verbessert!

Sauer macht nicht immer lustig!

Ketone haben aber auch Nachteile! So kann das Aceton beispielsweise über den Atem abgegeben werden und einen unangenehmen Mundgeruch zur Folge haben. Die Ketone Acetessigsäure und Betahydroxybuttersäure können ins Blut abgegeben werden und eine Übersäuerung (Ketoazidose) verursachen. Wie bereits zu anfangs erwähnt, wird bei längeren Fastenkuren eine ärztliche Betreuung angeraten, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden.

Wie bereits oben erwähnt, erfüllt die Zufuhr einer geringen Kalorienmenge während des Fastens einen bestimmten Zweck. Beispielsweise können Obst- und Gemüsesäfte einer Übersäuerung entgegen wirken, da sie das Recycling der sauren Zwischenprodukte erleichtern. Ist ein Recycling nicht möglich, können Acetessigsäure und Betahydroxybuttersäure über die Nieren und die Haut (Schweiß) ausgeschieden werden, um die Übersäuerung des Blutes zu vermeiden. Dies kann dann zu einem unangenehmen Körpergeruch führen…

Also, wer fastet, der sollte vorsichtshalber immer ein Pfefferminz in der Tasche und ein Deo im Schrank haben. Man kann ja nie wissen…

Übrigens…

Das viele Trinken während des Fastens sorgt dafür, dass die Nierentätigkeit angeregt wird, und leichte Bewegung verhindert den Abbau der Muskeln, fördert die Ausscheidung saurer Stoffwechselprodukte und sorgt für eine Erhöhung der Sauerstoffaufnahme, welches für die Fettverbrennung erforderlich ist.

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